Die Sonne schien endlich mal durch die Wolken, als ich mich heute auf den Weg zum Zahnarzt machte. Mein Magen krampfte, obwohl ich extra zuvor noch eine Scheibe Brot gefuttert hatte, dick beschmiert mit Konfitüre. Ich hasse Zahnarztbesuche (immernoch). Als die kurze Busfahrt zu Ende war und ich die einzige Kreuzung (verdammt) überquerte, die ich überqueren muss um zur Praxis zu kommen, kamen mir drei bildhübsche Frauen mit Kinderwagen entgegen. Ich fragte mich, wie das funktioniert: drei etwa gleichaltrige, top-gestylte Frauen mit Babys, die höchstens ein paar Tage zeitversetzt voneinander geboren wurden. Ich musste sofort an irgendwelche Berühmtheiten denken. Berühmtheit ist übertrieben – aber eine der Damen war Brit. Eins a nobel die Frau, kann ich da nur sagen.
Im selben Moment meiner Erkenntnis zog ich auch schon die Praxistür auf. Ich wartete gut 30 Minuten, bis ich in den Behandlungsraum wechseln durfte und dort starrte ich nochmal gut 30 Minuten das Bild eines Porsche an. Ob mein Zahnarzt einen fährt? Könnte ja irgendwie passen. Seltsamerweise drehte dann mein Magen erst so richtig durch. Schweissausbrüche, Zittern und eine Scheissübelkeit.
Irgendwann stiefelte mein Doc mir entgegen und hielt mir seine warme Hand hin. Eine schöne Hand. Ich steh’ ja total auf große, starke Männerhände. Handwerker haben meistens tolle Hände. Was will ich auch mit kleinen Händen? Die kommen mit meinem Arsch doch nicht zurecht. Sieht ja auch irgendwie blöd aus. Ich versuche ja auch nicht, einen Basketball mit einer Hand festhalten zu können. Das wird nix werden.
Jedenfalls setzte er zunächst Mal die Betäubungsspritze. Und ich habe nichts gespürt. Wieso hat mein Zahnarzt große, schöne Männerhände und kann die dann auch noch so einwandfrei nutzen? Richtig! Um mich abzulenken. Ganz einfach.
Funktioniert hat es jedenfalls. Mein Schädel wurde zwar ordentlich vom Bohrer durchgerüttelt, aber keine Schmerzen, nichts Unangenehmes, und noch dazu eine weiche, warme Männerhand (ok, mit iehbahpfui Handschuh drüber) auf den Lippen.
So ging ich heute das erste Mal grinsend – schief grinsend, aber grinsend, aus einer Zahnarztpraxis, obwohl ich behandelt worden war. Und jetzt warte ich darauf, dass ich mich von der Karikatur wieder zurück zum Menschen verwandle, um meinen Freund zu küssen und ihm zu sagen, dass er die perfekten Hände für mich hat.
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